Formel 1 in Hockenheim, 2006

in der Motorsportarena — 28. bis 30. Juli 2006

Nachdem ich ein Jahr zuvor bereits mein erstes Formel 1 Rennen auf dem Nürburgring erleben durfte, hatte ich jetzt die Gelegenheit Hockenheim kennen zu lernen. Ferrari feierte bei sonnigen Bedingungen und bis zu 33 Grad Hitze einen überlegenen Doppelsieg. Dritter wurde trotz eines verpatzten ersten Boxenstopps KimiRäikkönen auf McLaren-Mercedes.

Der Start verlief erstaunlich reibungslos, 21 Autos schlängelten sich unfallfrei durch die enge erste Kurve - nur Sakon Yamamoto (Super-Aguri-Honda) kam aus der Boxengasse mit dem neuen SA06-Chassis nicht vom Fleck. Räikkönen münzte an der Spitze seine Pole Position ungefährdet in die Führung um, hatte hinter sich Michael Schumacher und Felipe Massa im Schlepptau. Dieses Trio konnte sich auch sofort vom Rest absetzen.

Alonso patzte nach gutem Start in der Haarnadel

Vierter war zunächst Giancarlo Fisichella, unmittelbar gefolgt von seinem Renault-Teamkollegen Fernando Alonso, der einen tollen Start erwischte, in der Haarnadel aber nach außen getragen wurde, wertvolle Meter einbüßte, die Situation trotzdem noch halbwegs retten konnte. Allerdings mussten beide Renaults schon wenig später Jenson Button im Honda passieren lassen, der damit als Vierter in einer guten Ausgangsposition war.

Ebenfalls in der Haarnadel kam es zu einigen Rangeleien - unter anderem kollidierte David Coulthard (Red-Bull-Ferrari) mit Ralf Schumacher (Toyota), der sich daraufhin einen neuen Frontflügel abholen musste. Ein ähnliches Schicksal ereilte auch die beiden BMW Sauber F1 Team Piloten Nick Heidfeld und Jacques Villeneuve. Letzterer konnte das Rennen zwar noch lange fortsetzen, lag aber hoffnungslos zurück - ein Wochenende zum Abhaken für den deutsch-schweizerischen Rennstall.

Abgerundet wurde die Katastrophe aus deutscher Sicht in Runde eins von Nico Rosberg, der unter Druck von einem Konkurrenten in der Sachs-Kurve das Heck außer Kontrolle verlor und relativ hart in die Barrieren einschlug. Zunächst roch es nach einem technischen Defekt an seinem Williams-Cosworth, später gab der Youngster aber zu, etwas zu viel gewollt zu haben - bei noch kalten Reifen selten eine gute Idee …

Früher Ausfall von de la Rosa

Schon in der dritten Runde gab es den ersten Rückschlag für McLaren-Mercedes, als Pedro de la Rosa an siebenter Stelle liegend mit einem technischen Defekt ausrollte. Besser lief es für Räikkönen, der sich bis in den zehnten Umlauf einen Vorsprung von immerhin drei Sekunden erarbeitete, ehe er extrem früh zum Boxenstopp kam - und dabei Pech hatte: Rechts hinten gab es Probleme mit dem Reifenwechsel, wodurch er 15,2 Sekunden stand und als Achter wieder auf die Strecke kam.

Ferrari hatte ab diesem Zeitpunkt leichtes Spiel, was auch damit zusammenhing, dass Bridgestone bei bis zu 50 Grad Asphalttemperatur den eindeutig besseren Reifen zur Verfügung stellte als Michelin. Dies bekam Alonso am deutlichsten zu spüren: Der Vorjahressieger kam anfangs überhaupt nicht in die Gänge, verlor auch deutlich an Boden auf seinen eigenen Teamkollegen und lieferte insgesamt über die gesamte Distanz eine farblose Performance ab.

Barrichello einer der Pechvögel des Rennens

Pech hatte Rubens Barrichello: Der Honda-Pilot überholte in der 16. Runde Mark Webber (Williams-Cosworth), war damit schon Sechster, musste aber wenig später zu seinem ersten Tankstopp kommen - und in der Runde aus den Boxen heraus ging sein Motor im zweiten Sektor in Flammen auf. In etwa zur gleichen Zeit etablierte sich Teamkollege Button als solider Dritter hinter den beiden Ferraris und vor den Renaults.

Zwischendurch gab es in der Haarnadel immer wieder Überholmanöver, ehe in Runde 19 von Felipe Massa die Boxenstopps der Spitzenfahrer eröffnet wurden. Im gleichen Umlauf kam auch Fisichella rein, im 20. holten dann Schumacher und Alonso neue Reifen und Benzin ab. Durch die üblichen Verschiebungen und dank eines langen ersten Stints wurde Webber auf Rang drei gespült - mit realistischen Chancen, Button im Kampf um das Podium Paroli zu bieten. An der Spitze hatten Schumacher und Massa leichtes Spiel, der Abstand zwischen den beiden variierte zwischen einer und drei Sekunden. Nach dem ersten Stopp wurde es ziemlich knapp, eine ernsthafte Attacke wagte die brave Nummer zwei der Italiener aber nie. Auch die zweiten Boxenstopps wurden gut überstanden, so dass Schumacher vor eigenem Publikum seinen vierten Hockenheim-Sieg nach Hause fahren konnte, seinen 89. insgesamt. Unfall von Villeneuve in der Zielkurve In Runde 33 wurde es hektisch, als sich Villeneuve mit einem Unfall in der Zielkurve spektakulär aus dem Rennen verabschiedete und wenig später Ralf Schumacher wegen Speedings in der Boxengasse eine Durchfahrstrafe antreten musste. Letzterer zeigte sich von seiner besten Seite, war phasenweise der schnellste Mann im Rennen, konnte aber wegen der Zwischenfälle nichts ausrichten und wurde schlussendlich nur Neunter - 12,2 Sekunden hinter einem WM-Punkt. Webber sorgte anschließend für Spektakel, indem er im Infield an Fisichella vorbeiging - genau wie später Vitantonio Liuzzi (Toro-Rosso-Cosworth) gegen Coulthard und Räikkönen gegen Webber. Die zweiten Boxenstopps brachten keine gravierenden Verschiebungen, allerdings schob sich Alonso unauffällig an Fisichella vorbei. Durch den Motorschaden von Webber am Ende rutschte dann nach beherzter Fahrt auch Christian Klien (Red-Bull-Ferrari) in die Punkteränge.

Entscheidend dann die Szene, als Räikkönen nach seinem dritten und letzten Boxenstopp das Duell gegen Webber in der zweiten Kurve ganz knapp gewann, anschließend mit neuen Reifen regelrecht an Button herangeflogen kam und den Briten locker schnupfte, so dass er trotz der schlechten Beginns noch Dritter wurde. Weiter hinten kam indes Alonso in der Sachs-Kurve einmal von der Strecke ab, der Renault-Pilot hielt aber seine Position vor Fisichella und Trulli.

Nur 14 von 22 Fahrern in der Wertung

So waren die Positionen dann bis zur Zielflagge bezogen - Schumacher, Massa, Räikkönen, Button, Alonso, Fisichella, Trulli und Klien holten die Punkte. Insgesamt kamen 14 von 22 gestarteten Fahrern in die Wertung. Für Aufsehen sorgte in der Schlussphase nur noch Ralf Schumacher, der einige Superzeiten in den Asphalt brannte und sich auf diese Weise sogar noch gegen die beiden führenden Ferraris zurückrundete.

In der Weltmeisterschaft ist Michael Schumacher nach seinem heutigen Triumph nur noch elf Punkte von Spitzenreiter Alonso entfernt, Massa liegt nun im Kampf um Platz drei knapp vor Fisichella und Räikkönen (50 beziehungsweise ex aequo 49 Punkte). Auch bei den Konstrukteuren spitzt es sich langsam zu: Renault liegt zwar noch in Führung, allerdings nur noch mit 149:139 Zählern gegen Ferrari. McLaren-Mercedes (77) liegt an dritter Stelle.

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